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Dezentrale IT: Segen und Fluch zugleich

14
Nov

2019
SENTINEL
Blog, Know-How: Wissen rund um die IT
- Nov 2019
- Keine Kommentare

Ach, was war das damals so schön… zumindest für die zentrale IT-Abteilung. Sie prüfte bedächtig, sorgfältig und gründlich die Wünsche der Fachabteilung. Das konnte dauern. Da musste die Fachabteilung sich in Geduld üben. Doch spätestens mit dem Aufkommen der Cloud und der SaaS-Anwendungen hat sich das Oberste zuunterst gekehrt. Die Fachabteilungen führen dezentrale IT-Lösungen ein. Dabei umgehen sie geflissentlich die zentrale IT-Abteilung und es entsteht Unmut im Unternehmen.


Die Frage mit den drei Antworten: Dezentrale IT oder Zentrale IT?

Die Überschrift macht es deutlich: es gibt keine einheitliche Antwort auf die Frage nach dem „besser“. Die Verschmelzung der drei Antworten würde ein klares „Je nachdem!“ ergeben – und das trifft es auch genau. Es kommt auf den Einzelfall an, und auf die Zielsetzung des Entscheiders. Damit Sie Ihre Entscheidung richtig treffen können, beleuchten wir die beiden Kontrahenten mal genauer.


Dezentrale IT: die Lösungsorientierung setzt sich durch

„Wenn wir das machen, müssen wir das an unserer IT vorbei durchziehen – sonst wird das ein Projekt ohne Ende, darauf habe ich keine Lust“

Hand aufs Herz: diesen Satz haben Sie auch schon mal ausgesprochen oder zumindest mal aussprechen wollen. Nein? Dann sind Sie sicher in der zentralen IT eines größeren Unternehmens tätig. Stimmt’s?

Die Fachabteilungen haben Bedarf an Lösungen und haben ihre zentrale IT-Abteilung als Blocker kennengelernt. Einfache und schnelle Umsetzungen sind gefragt, denn man will das Problem nicht akademisch lösen, sondern schnell. Die neuen Infrastrukturen der Cloud-Lösungen versprechen Abhilfe, denn zum Inbetriebnehmen ist oft keine Unterstützung durch die zentrale IT nötig. Genehmigungsprozesse und innerbetriebliche Machtspiele entfallen einfach.

Die Fachabteilung ist auch froh, den Auswahlprozess selbst gestalten zu können und ein Produkt verwenden zu können, welches exakt die Bedürfnisse abbildet und nicht an Unternehmensstandards angepasst werden muss. Und im praktischen Einsatz? Das Tool macht seinen Job. Wird es irgendwann nicht mehr benötigt, wird es abgeschaltet. Ändern sich die Anforderungen, kann ein anderes Tool ausgewählt werden oder das zuvor ausgewählte Tool wird angepasst. Schnelle Wege führen zur Zufriedenheit der Anwender der Fachabteilung.

Die zentrale IT erfährt davon und braust auf: wo werden die Sicherheitsstandards eingehalten? Und das ist nur die erste eines Stakkato von Zweifeln, die der Fachabteilung entgegenschlagen. Doch die Fachabteilung ist zufrieden. Darf man so etwas zulassen?

Ja, man darf. Und genau in den folgenden Situationen


Dezentrale IT: ja, aber nur so

1.Neues als Chance verstehen

Wenn das Unternehmen neue Märkte betritt, neue Verfahren einführt oder generell auf die grüne Wiese geht, hat die Fachabteilung die Freiheit, mit dezentralen IT-Lösungen Neuland zu betreten, ungewöhnliche Lösungen einzuführen. Hier muss an kein abhängiges Alt-System angeknüpft werden. Ein Ausfall betrifft nicht die Geschäftsprozesse des gesamten Unternehmens. Das Risiko ist hier abgegrenzt und kalkulierbar. So ergibt sich die Chance, agil eine Lösung für die Zukunft aufzubauen. Auswirkungen auf die bestehende IT-Infrastruktur sind nicht zu erwarten.

2.Die reduzierte Kritikalität

Werden Anwendungen dezentralisiert, die keine direkte Auswirkung auf die Geschäftsleitung haben, ist selbst ein vorübergehender Ausfall wenig kritisch. Das gilt für Systeme der Gehaltsabrechnung genauso wie für Reportingsysteme oder E-Mail-Systeme. Führt die agile Umsetzung mit der SaaS-Lösung zu einem vorübergehenden Ausfall ist dessen Strahlweite nur gering.

3.Abgegrenzte Anforderungen

Für Anwendungen mit simplen Abläufen ist eine zentrale Verwaltung nicht oder nur in minimalem Umfang nötig. CRM, HRM und Co. können so schmerzfrei dezenztral eingesetzt werden.

4.Sicherheit und Datenschutz

… sind nicht per se ein Damoklesschwert. Mobile Apps und Videoconferencing triggern den Datenschutz eher weniger. Standalone-Systeme, zu denen auch Websites und Collaborationsuites zählen, können ohne Bedenken von den Fachabteilungen ausgewählt und eingesetzt werden.

Für die zentrale IT sind diese Gedanken ungewohnt und ängstigen. Kontrollverlust steht emotional im Raum, wird gerne pseudosachlich verargumentiert. Was an dieser Stelle wirklich vonnöten ist, das ist eine Cloud Management Platform, welche die dezentrale Lösung als gesteuerte Struktur in den Verbund der Unternehmensanwendungen hereinholt. Kontrolle, Überwachung und Berichterstattung ist so generell auf einem Mindestlevel möglich – und genau so auch sinnvoll. Die zentrale IT kann ihren Aufgaben kontrolliert nachgehen: Netzwerküberwachung, Sicherstellen der Sicherheitsprotokolle, Auswahl Technologie-Stacks und de Cloud Service Provider und viele andere.

Die Fachabteilung jedoch kann so schnell und flexibel mit ihren Anwendungen arbeiten und weiß sich dennoch an die IT des Unternehmens angedockt und kann dort in übergreifenden Fragen supportet werden.


Dezentrale IT: nein, hier auf keinen Fall!

„Ja, ist uns denn gar nichts mehr heilig?“ Doch, ist es! Die IT-Strategie ist eine zentrale Angelegenheit und wird es bleiben. Zur IT-Strategie gehört eben auch eine zentrale Strategie für Cloud-Anwendungen und deren Infrastrukturen. Doch kommen wir zu den zentral zu sehenden Bereichen.

1.Bestands-Verfahren

Der Weg in die Gegenwart führte bei vielen Unternehmen zu einer gewachsenen Landschaft an Anwendungen und Prozessen. Vielfach war zur Zeit der Einführung die Kapselung noch kein Thema und so sind die Altsysteme in den Unternehmen meist stark verzahnt und wenig genormt. Der Fachjargon hält dafür den Begriff der Legacy-IT bereit. IT-Erbe, ein schwerfälliges Erbe das drückt und noch eine ganze Weile gehändelt werden muss. Hier ist Dezentralisierung schlicht nicht möglich. Zu viele unternehmenskritische Prozesse sind hier berührt.

2.High Volume Applications

Verarbeiten Anwendungen große Datenmengen, erfordern diese oftmals eine spezielle Infrastruktur. Auch hier bietet sich klar eine zentrale Verwaltung an.

3.Komplexe Integration

Die Anwendungen des Erbes aus frühen Jahren zeichnen – wie bereits beschrieben – durch eine erhöhte Komplexität aus, die vor allem auch das Miteinander der Anwendungen betrifft. Hier kann nur eine zentrale Verwaltung für ein reibungsloses Interagieren der Anwendungen miteinander sorgen.

4.Datenschutz und Sicherheit

Der Datenschutz könnte in Einzelfällen durchaus eine Dezentralisierung angeraten erscheinen lassen, wenn Daten eben nur in einer Abteilung genutzt werden. So lässt sich eben durch die Segmentierung der Daten dem Datenschutz leichter Rechnung tragen. Stehen Daten jedoch im Zugriff mehrerer Abteilungen, ist eine zentrale Verfügbarkeit wichtig. Hier kommen Fragen zu Datenschutz und Datensicherheit auf, die am einfachsten zentral zu lösen sind. Dies betrifft insbesondere sensible und personenbezogene Daten.

5.Auswahlkompetenz

Die Auswahl einer Anwendung zum Lösen einer Anforderung kann von der Fachabteilung sicher gehändelt werden. Erfordert die Anwendung jedoch besondere Infrastrukturen, kann die zentrale IT Abteilung mit ihrer Beratungskompetenz punkten. Der Auswahlprozess für die Infrastruktur kann von ihr nach technischen Merkmalen wie Leistung und Betriebskosten sehr gut unterstützt werden. Dies gilt auch und insbesondere für Private Clouds, virtualisierte Umgebungen und Hardware.

 

Nicht entscheiden, sondern gezielt einsetzen: Dezentrale IT als Chance

Der smarte IT-Entscheider sieht die dezentrale IT als Chance, sein Aufgabenfeld zu entlasten. Statt einer Grundsatzentscheidung pro oder contra steht eher an, genau die Bereiche zu identifizieren, in denen eine dezentrale IT-Infrastruktur möglich ist.

 Wie Sie solche Opportunities zur Vereinfachung identifizieren können verraten wir Ihnen gerne: jetzt die 040/226163970 anrufen.

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